Erzählte Energie – Hochkarätige Ausstellung am GSG

„Einwanderung zwischen Kohle und Windrad“- Nach Stationen an der Universitätsbibliothek Bochum und dem LWL-Industriemuseum Zeche Hannover in Bochum macht die Wanderausstellung „Energie in Bewegung“ am Geschwister-Scholl-Gymnasium Station. Bei der Eröffnung der Ausstellung in der Aula wies der Deutsch- und Geschichtslehrer Björn Springer, der den Kontakt zu Dr. Karin Yesilada von der Ruhr-Universität Bochum hergestellt hatte, auf die Aktualität der in der Ausstellung präsentierten Themen hin: Einwanderung und Energiewende, die das Ruhrgebiet wie keine andere Region in Europa prägten und prägen und somit auch für die Harkortstadt Wetter von besonderer Bedeutung sind.

Während die Menschen der ersten Einwanderergeneration als sogenannte „Gastarbeiter“ ab den 1950-er Jahren schwere manuelle Arbeit leisteten, arbeiten viele ihrer Nachkommen häufig in Berufen, die dem Bereich erneuerbarer Energien zugehören. Diese Kinder sowie die Kinder der Kinder sind mittlerweile in vielen Fällen längst Deutsche und Teil einer neuen gesellschaftlichen Wirklichkeit, die sich im Ruhrgebiet besonders stark zeigt. Menschen aufzunehmen bildet also seit jeher eine Kernfähigkeit unserer Region. „Wer sich mit Geschichte befasst und zurückblickt, wird feststellen, dass aktuelle Diskussionen älter sind, als man glaubt“, so Springer weiter: Dass es eine Erderwärmung durch die Nutzung fossiler Energieträger gibt, wurde bereits 1896 durch den schwedischen Chemiker Svante Arrhenius erforscht, der die Erderwärmung allerdings freudig erwartete und auf bessere Ernten hoffte. Die zentrale Bedeutung des Themas „Energie“ für die Welt ist also nicht erst seit dem Klimagipfel der letzten Woche unstrittig. Die Versorgung mit Energie prägt Regionen, Lebensweisen, Kulturen und Staatsformen. Über Energie zu reden bedeutet daher auch, grundsätzlich darüber zu sprechen, wie wir leben und leben wollen. Zu zeigen, dass die deutsche Energiegeschichte stets auch Migrationsgeschichte war und auch in Zeiten erneuerbarer Energien bleiben wird, ist ein Kernanliegen der Ausstellung.

Bei den in der Aula des GSG ausgestellten Bildern hat das Team des Forschungsprojekts am Lehrstuhl für Neugermanistik und Didaktik der Literatur an der Ruhr-Universität Porträts von Menschen erstellt, die eine Einwanderungs- und Energiegeschichte haben: Vom türkischen Bergmann auf Zeche Walsum bis hin zur libyschen Doktorandin an der Ruhr-Universität. In der multimedialen Ausstellung lernt man Menschen mit Energiegeschichte auf großformatigen Porträtfotos von Emine Ercihan kennen, hört ihnen an Audio-Stationen zu und betrachtet Filmausschnitte der Interviews. In Vitrinen und auf Fotowänden werden zudem Literatur zur Energiewende und Dokumente der Einwanderungsgeschichte gezeigt.Anwesend waren bei der Eröffnung auch zahlreiche Oberstufenkurse des GSG, da die Ausstellung auch eine Reihe interdisziplinärer Bezüge aufweist.

Die Ausstellung ist am GSG bis zum 27.09.2019 zu sehen.

(SPRI/BLOT, 23.9.2019)