Die Geschichte des GSG

Die Entstehung und Entwicklung des Gymnasiums in Wetter an der Ruhr

Die Wurzeln der weiterführenden
Schulbildung für Jungen und Mädchen und damit des höheren Schulwesens
in Wetter reichen sehr weit in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts
zurück, als vor dem Hintergrund der industriellen Hochentwicklung und
der damit verbundenen „lebhaften Bevölkerungszunahme " 1) zwei Urschulen für Jungen bzw. Mädchen auf privater Basis entstanden.

1860er Jahre – 1873 Private Kandidatenschule für Jungen

1872 - 1876 Private Höhere Töchterschule

(1876 – 1910 Vereinigung der Töchterschule mit der privaten Rektoratschule)

1873 - 1896 Private Rektoratschule für Jungen

1896 - 1910 Öffentliche Rektoratschule

1910 - 1924 Städtische höhere Knabenschule

1920 - 1924 Realschule i(m) E.(ntstehen)

1910 - 1934 Städtische höhere Mädchenschule

1932 - 1934 Städtische höhere Mädchenschule i(m) A(bbau)

1924 - 1937 Städtische Realschule für Jungen

1937 - 1945 Städtische Oberschule für Jungen, Klasse 1 – 5 Wetter (Ruhr)

(März 1945 – Februar 1946 kein Schulbetrieb)

1946 – 1949 Städtisches Progymnasium

1949 – 1952 Mathematisch-Naturwissenschaftliches Gymnasium i(m) E.(ntstehen)

1952 - 1957 Mathematisch-Naturwissenschaftliches Gymnasium in Wetter (Ruhr)

1957 - 1994 Städtisches Gymnasium Wetter (Ruhr)

(mathematisch-naturwissenschaftliches und neusprachliches Gymnasium)

1994 - Geschwister-Scholl-Gymnasium Wetter (Ruhr) Städtisches Gymnasium

Die höhere Jungenschule in Wetter zur Zeit des Kaiserreiches

Bereits in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts fanden sich einige Familien in Wetter zusammen, „um einem Kandidaten des Pfarramts den Unterricht ihrer Kinder anzuvertrauen" 2 ); diese Kandidatenschule ging jedoch aufgrund des häufigen Wechsels der Pfarramtsanwärter mehrfach wieder ein. Am 9. 8. 1873 beschlossen
daher mehrere Wettersche Bürger die Gründung einer privaten
Jungenschule, die dann unter der Aufsicht eines am 25. 8. 1873 gewählten Schulkuratoriums mit der Amtseinführung des neuen Schulleiters Cremer Anfang Oktober 1873 den Unterrichtsbetrieb als einklassige Rektoratschule im Hinterhaus einer Wetteraner Bürgerin aufnahm. 1877 bezog die Jungenschule ein frei gewordenes Klassenzimmer der Volksschule, 1880 wegen Raumbedarfs derselben dann die 1. Etage des Konsumvereingebäudes. Am 4. 5. 1893 hielt die Schule Einzug in das neue, eigene Schulgebäude an der Wilhelmstraße, 1906 kam ein dringend benötigter Erweiterungsbau hinzu.

Die anfängliche Zielsetzung der Schule, die gegen das in der Wetterschen Bürgerschaft vorherrschende Vorurteil, dass „ in der Rektoratsschule die Elementarfächer, namentlich Rechnen und Schreiben, keine gebührende Berücksichtigung fänden, " 3 )
zu kämpfen hatte, wurde zwischenzeitlich erweitert: die Schüler
konnten nun in einem dreijährigen Kursus die Reife zum Übergang in die
Untertertia des Gymnasiums beziehungsweise Realgymnasiums anstatt in
die Quarta eines Gymnasiums erwerben. Ab Ostern 1893
wurden im Rahmen einer Neuregelung der Sprachenfolge Französisch statt
Latein als 1. und Englisch als 2. Fremdsprache ab Untertertia eingeführt
und für zukünftige Gymnasiasten ein Lateinkurs eingerichtet.

Am 1. 4. 1896 wurde mit der Übernahme der finanziellen Lasten auf den Gemeindehaushalt die private Schule in eine öffentliche Rektoratschule umgewandelt.

Mit Beginn des Schuljahrs 1907/08 wurde zugunsten der auf die Oberrealschule übergehenden Schüler die Obertertia aufgestockt.

1910 erhielt die Rektoratschule die Bezeichnung „Höhere Städtische Knabenschule" , an der 1911
die Schüler nach Absolvierung einer Abschlussprüfung erstmalig die
Übergangsberechtigung zur Untersekunda eines Gymnasiums erlangten.

Das höhere Mädchenschule in Wetter zur Zeit des Kaiserreiches

Der Zusammenschluss diverser Wetterscher Familien mit dem Bestreben, „eine
Einrichtung zu schaffen, in der ihre Töchter Gelegenheit fänden, ein
über das Ziel der Volksschule hinausgehendes Maß von Kenntnissen zu
erwerben," 4) führte am 17. 10. 1872 zur Eröffnung einer von ca. 20 Schülerinnen besuchten privaten höheren Töchterschule , deren Eigenständigkeit aufgrund des enormen Rückgangs der Schülerinnenzahl auf 5 schon am 1. 8. 1876 mit
der Übernahme durch die Wettersche Rektoratschule vorerst endete. Für
die n unmehrigen Rektoratschülerinnen, die erfahrungsgemäß „fast ausschließlich nach der Konfirmation auf weiteren Unterricht verzichteten," 5) sah
man allerdings keine Unterweisung in den Fächern Latein, Mathematik
und Turnen, sondern stattdessen im Fach Handarbeiten vor. Z u Ostern 1904 wurde für sie eine als Selekta bezeichnete
Mädchenoberklasse (9. Schuljahr) mit den Fächer Deutsch, Französisch,
Englisch und Zeichnen eingeführt, wodurch 4 Rektoratschülerinnen
erstmalig ein fünf- statt vierjähriger Schulbesuch ermöglicht wurde.

Doch nicht die mit Beginn des Schuljahres 1906/07 durchgeführte organisatorische Trennung zwischen Jungen- und Mädchenklassen, sondern die am 13. 4. 1910
vorgenommene Einweihung des für die Mädchenschule neu errichteten
Gebäudes an der Bismarckstraße gilt als die eigentliche Geburtsstunde
der wieder eigenständigen städtischen höheren Mädchenschule , wenn „auch trotz der räumlichen Trennung nicht nur die Leitung, sondern auch das Lehrerkollegium noch etwa ein Jahrzehnt gemeinsam" 6)
blieben aufgrund einer angespannten Lage in der Unterrichtsversorgung,
seitdem die Mädchenschule mit der Neuordnung des Mädchenschulwesens von
1908 die Funktion einer Zubringerschule für die benachbarten Lyzeen in Hagen und Witten ausübte.

Der beide höheren Schulen der Kaiserzeit
prägende Geist spiegelt sich deutlich in Anlass und Form der von
beiden Anstalten überwiegend gemeinschaftlich in der städtischen
Turnhalle, aber auch in freier Natur durchgeführten Feiern und
Gedenktage wider. Zu den Anlassen zählten Jubiläumsfeiern wie die
anlässlich der 25jährigen Wiederkehr der Reichsgründung am 18. 1. 1896 , die wochenlang vorbereitete Gedenkfeier anlässlich des hundertjährigen Geburttags Wilhelms I. 1897 ,
als sich die höhere Knabenschule am Abend des 20. 3. an einem
Fackelzug durch Wetter beteiligte, die alljährlich wiederkehrende
Geburtstagsfeier Kaiser Wilhelms II. oder auch die traditionelle, seit
1873 in Universitäten und Schulen Anfang September zu begehende
Sedanfeier. Ein besonderer Höhepunkt in der Schulgeschichte war
sicherlich die Jubelfeier 1909 anlässlich der
300jährigen Zugehörigkeit der Grafschaft Mark zu Preußen, als eine
Abordnung der Städtischen höheren Mädchenschule zum Empfangskomitee für
das Kaiserpaar am Bahnhof Wetter gehörte. Der sich mehr oder minder
immer wiederholende patriotische und nationale Ritus solcher Feiern
bestand aus pathetisch eingefärbten Informationen über die zu feiernden
Persönlichkeiten, längeren oder kürzeren Reden, Gesängen und Vorträgen
der Schüler, bei günstiger Witterung auch in nachmittags veranstalteten
gemeinschaftlichen Spaziergängen, Turnspielen und kurzen Ansprachen
und nicht zuletzt aus dem Hoch auf den Kaiser.